2020
Was für ein Jahr. Das Jahr 2020 ist anders, wirklich anders. Während es viele als negativ empfinden, muss ich gestehen, dass es mir so viel besser gefällt. Endlich kann man einige Gewohnheiten wirklich überdenken und zu neuen finden, die besser zu einem passen. Man lernt sich auf eine andere weiße kennen und auch sein Umfeld strahlt in einem ganz anderen Licht.
Aber zurück zum Anfang. Das Jahr hat unfassbar stressig begonnen, also so wie 2019 geendet hat. Ein Termin jagte den anderen, zumindest in meiner Freizeit und in der Arbeit: leere, stille, acht Stunden warten. Kaum auszuhalten, vor allem für mich, weil ich sonst sooo getrieben war. Schätzen konnte ich das nicht und auch rückblickend finde ich diese Zeit war reine Verschwendung und das tut mir sehr leid und weh. Ich fühlte mich schwach, alle meine guten Vorsätze aus meiner Zeit von Australien nicht mehr da. Ich war so genervt und ziemlich schnell verärgert. Meinen Ärger habe ich durch seeehr viel Süßigkeiten und generell Essen versucht zu unterdrücken und natürlich durch so viel Freizeitstress wie nur irgendwie möglich. Ging es mir gut? Ich kann das nicht einmal beantworten, weil ich nur auf Autopilot gelaufen bin. Ich fühlte mich auf jeden Fall gefangen und leer. Es passierte das wovor ich so große Angst hatte und zwar, dass ich vergesse zu Leben und einfach nur Flüchte.
Doch dann kam der plötzliche Schnitt. Man hat schon das ganze Jahr über in den Medien von dieser neuen Corona Erkrankung gehört, doch bis Anfang März hat es hier in Österreich eigentlich niemand wirklich ernst genommen, eher hat es jeder belächelt. Bis die Regierung eine Ausgangsbeschränkung erlassen hat und sogar Quarantäne und Isolation verhängt wurde. Keine sozialen Kontakte, nur noch raus, wenn es wirklich notwendig ist. Plötzlich nur noch von zu Hause arbeiten. Vorstellungen wurden in der Volksoper abgesagt etc. Also man war 24 Stunden in seinen vier Wänden „gefangen“. Alle Pläne für die kommende Zeit auf einmal nicht mehr relevant. Unsicherheit, Angst, Planlosigkeit und Ungewissheit machten sich in Sekunden breit. Alles Neu und doch irgendwie Alt. Menschen haben begonnen Klopapier zu hamstern. Wenn sich mehr als vier Personen trafen, wurden Strafen verhängt. Absolute Kontrolle. Niemand konnte sich vorstellen, dass in unserer so fortgeschrittenen Zeit so etwas möglich ist. Das Leben wurde und wird durch einen Virus bestimmt. Viele Menschen mussten sterben, haben ihren Job verloren und waren gefangen. Plötzlich alleine mit einem selbst und seinen Gedanken. Gar nicht so einfach.
Ich kann gut verstehen warum das für viele Menschen die größte Herausforderung in ihrem bisherigen Leben war und ist. Kaum mehr Ablenkung von seinem eigenen Seelenleben. Im Fernsehen jagte eine Pressekonferenz die andere, immer mehr Angst wurde verbreitet. Jetzt, fast zwei Monate nach diesem radikalen Schnitt, beginnt man wieder zur alten Normalität zurück zu kommen. Dennoch man macht um andere Menschen einen großen Bogen, denn ein Meter Abstand muss weiterhin gegeben sein, wie heißt es so schön, zumindest ein Babyelefant muss zwischen zwei Menschen sein, die nicht im selben Haushalt leben und man darf Geschäfte nur noch mit Mund-Nasen-Schutz betreten. Es fühlt sich an als wäre man in einem Traum gefangen. Haben die Leute daraus was gelernt. Eigentlich nicht und das ist das traurigste daran. Im Gegenteil. Kurz war zwar Solidarität ersichtlich, doch nicht lange und vor allem seit es wieder normaler wird, ist sich jeder selbst der nächste. Egoismus wo man hinschaut. Schade!
Dennoch war und ist es für mich persönlich gut gewesen. Ich wurde mir wieder bewusster was mir im Leben fehlt, welche Werte mich ausmachen und was ich wirklich brauche. Ich lernte nicht für jede Kleinigkeit in ein Geschäft zu springen, sondern einen Wocheneinkauf zu machen und auch wenn ich etwas gerne möchte, mir bewusst zu machen, dass ich es beim nächsten Mal dann einfach besorgen werde. Meine Zeit mit Dingen zu füllen die mich erfüllen. Stress ade! Ich habe begonnen zu meditieren, viel zu wandern beziehungsweise zu gehen, andere Wege zu erkunden, zu malen und mich wieder darauf zu besinnen was ich doch für ein Glück habe. Deshalb beginne ich auch jetzt wieder zu schreiben, weil ich meine Eindrücke gerne festhalten möchte. Ich habe einen neuen Prozess begonnen und zwar werde ich Wien verlassen und nicht einfach auf und davon und mit schlechten Gedanken, sondern ich möchte alle Facetten noch einmal bewusst sehen und mit Dankbarkeit für diese Zeit loslassen. Daher habe ich ein Ziel gefasst. In den nächsten Wochen werde ich, durch und um Wien wandern, Plätze besuchen die ich schon lange einmal sehen wollte und ich leider nie die Zeit dazu finden konnte oder wollte. Beginnen tue ich diese Reise dadurch, dass ich die rund 12 Stadtwanderwege begehen werde. Meine Eindrücke werde ich hier aufschreiben. Damit mache ich nichts Neues oder Erstaunliches, doch es tut mir gut und ich finde es ist eine sinnvolle, gesunde Art mit etwas abzuschließen. 🙂

