Stadtwanderweg 9

Der Stadtwanderweg 9 ist ein langer schlauchartiger Rundwanderweg, welcher bei der U-Bahn-Station Praterstern beginnt. Die Praterallee ist genrell ein sehr schöner Ort um spazieren zu gehen, viele Bäume die Schatten spenden und im Herbst alles wunderschön bunt färben. Nachteil: es ist immer sehr viel los und eher zu voll, zumindest am Anfang und am Ende. Umso weiter man geht, desto leerer wird es. Ein großer Teil dieses Weges wird auch beim Wien (Halb-)Marathon gelaufen und auch damals hat mich die Strecke nicht wirklich mitgerissen, eher etwas mühsam immer nur gerade aus und dann denselben Weg wieder zurück, kaum Abwechslung, immer wieder einmal eine Wiese und bevor man den Kehrpunkt erreicht hat, kommt ein länglicher Teich, der nicht sonderlich hübsch ist und definitiv nicht zum Schwimmen oder Chillen einläd. Das ist aber nur meine Meinung. Mir fehlt hier ein wenig die Action, die Höhenmeter, das Aufregende, Spannende, die Vielfalt.

Ein Highlight ist definitv die Nähe zum Vergnügunspark Prater, aber der hat im Moment leider nicht wirklich geöffnet. Dennoch waren die 13 Kilometer ein gutes Training. Um es in den Worten von Dori bei „Findet Nemo“ zu sagen: „Just keep walking“ 🙂 Das Gehen tut mir wirklich gut. Nicht nur, dass ich mich sehr fit fühle und viel Zeit in der Natur verbringe, aber auch einfach die Vielseitigkeit zu sehen, zu schätzen und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, ist herrlich. Zudem wäre es wirklich sehr schade, wenn ich das alles nicht entdecken würde. Dieser Prozess ist genau das richtige.

Mittlerweile habe ich mich auch wieder etwas näher mit dem „Rundumadum-Pfad“ beschäftigt. Im Internet habe ich jemanden gefunden der diesen in vier Tagen gegangen ist, das sind dann drei Tage mit über 30 Kilometer. Es ist sicherlich machbar, aber es hat sich für mich nicht richtig angefühlt, also habe ich die 24 Etappen vorerst in fünf Tage aufgeteilt. Jeder Tag hat immer noch über 20 Kilometer. Vermutlich werde ich nicht fünf aufeinanderfolgende Tage dafür Zeit haben, aber die ersten drei möchte ich gerne zu Pfingsten machen, also Ende Mai. Ich freue mich schon.

Lobau – Ein vielseitiger Nationalpark in der Großstadt

Endlich konnte ich mich für den langen Weg in den 22. Bezirk aufraffen und habe die Lobau erkunden können. Wie viele Kilometer ich heute zurückgelegt habe, kann ich nicht genau sagen. Habe vergessen mein Runtastic zu aktivieren, aber das ist nicht schlimm. War auf jeden Fall wieder über vier Stunden unterwegs, also gehe ich davon aus, dass es sicher wieder so um die 20 Kilometer gewesen sein müssen. Heute ging es am Anfang ganz locker, doch gegen Ende habe ich meine Beine doch schon etwas gespürt. Waren etwas müde noch vom Donnerstag und eventuell auch von den gestrigen Kilometern in den etwas höheren Schuhen. 😂🙈 Nichts mehr gewöhnt.

Die Lobau, ein Naturspektakel das man sich nicht entgehen lassen darf. So viel grüne, schöne Natur. Die Kuckucke haben sich ein mega Duell geleistet, war wunderschön mitanzuhören und vor allem liebe ich diesen Klang. Also war es auch ganz einfach die Musik für diesen Ausflug wegzulassen, sonst wäre mir die Geräuschkulisse wirklich entgangen. Krähen, Schwäne, Biber, Kuckucke, Frösche und vieles mehr.

Die Landschaft variiert. Man bewegt sich durch lichten Wald, offene, sehr freundliche Wiesen, Äcker und Felder, hie und da ein kleiner See, Teich oder wie sie dort genannt werden Lacken. Vor dem weggehen habe ich mir eine Karte angeschaut und mich entschieden, dass ich den Napoleonrundweg machen werde. Dieser befindet sich schon relativ weit im inneren des Parks. Viele nützen den Park um eine ausgedehnte Radtour zu machen, was sicher eine schöne Art und Weise ist. Vor allem ist es so auch einfacher noch weiter zu kommen. Ich habe circa die Hälfte gesehen. Die Wälder bestehen hauptsächlich aus riesengroßen Birken und Kastanienbäumen. Daher ist es gut vorstellbar, dass der Park auch in den anderen Jahreszeiten sehenswert ist.

Während dem Gehen, Lauschen und Staunen habe ich mir auch wieder einige Gedanken gemacht. Diesmal hat mich unter anderen die Meditation vom Vortag beschäftigt. Ich habe eine Krafttier-Meditation gemacht und war so überrascht, dass da ein Esel rausgekommen ist, der mir Ruhe, Beharrlichkeit und Geduld signalisiert hat. Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Katze mein Krafttier ist, aber das ist wohl eher mein Lieblingstier, diese süßen, haarigen, schnurrenden, verschmusten Schätze. 😀 Auf jeden Fall war es ein Esel, ganz klar. Also musste ich sofort recherchieren was der Esel als Krafttier bedeutet. Ich war wirklich fasziniert und zugleich auch erstaunt wie passend es ist. Er steht für Willenskraft, Lernfähigkeit und Verantwortung. Drei Begrifflichkeiten die wie die Faust aufs Auge zu meinem Leben passen. Seine Willenskraft wird sehr oft als Sturheit bezeichnet oder als störrisch asoziiert. Mit diesem Vorurteil kämpfe ich auch hin und wieder, aber eigentlich weiß der Esel einfach was ihm gut tut und er weiß auch was der beste Weg für ihn ist, diese Ziele zu erreichen. Für Außenstehende mag dieser Weg oft nicht nachvollziehbar sein, weil es instinktiv ist und nicht klar erkennbar ist. Zum Beispiel Australien: Jahrelang war mir einfach klar, dass ich da hin will, ich kann keine Erklärung abgeben warum genau dieser Ort, aber es war wie eine Eingebung, ein Gefühl und es war goldrichtig. 🙂

Auch die anderen beiden Begrifflichkeiten kann ich in meinem Leben finden. Sowohl die Lernfähigkeit als auch die Verantwortung sind sehr wichtig für mich. Ich bin stets auf der Suche etwas Neues zu lernen, um es in meinem Leben zu verankern, nach neuen Herausforderungen streben zu können und zugleich versuche ich aus Fehlschlägen zu lernen, sie mir im Gedächtnis zu behalten um mich orientieren zu können. Zudem übernehme ich sehr oft die Verantwortung für andere, häufig auch ohne zu Fragen, ob mein Gegenüber das überhaupt möchte. Aber nicht nur das, sondern mir ist bewusst, dass nur ich für mich selbst verantwortlich bin und nur ich mein Leben, meine Gedanken und Wege steueren kann. Hin und wieder ertappe ich mich, dass ich mich in einem Gedankenkarussell verliere oder verloren habe, einen Umweg einschlage, Hindernissen aus dem Weg gehen möchte oder zu ängstlich bin, einen bestimmten Pfad zu gehen, anstatt mir eine Brücke – Eselsbrücke – zu bauen um meinen klaren Weg weiter verfolgen zu können. Dies passt wiederum sehr gut zu meinem Vorhaben, Wien zu Fuß zu entdecken, neue Wege zu finden und ohne Google Maps zu verwenden seinem Instinkt zu folgen, dass man auf der richtigen Bahn ist.

Stadtwanderweg 1 und 1a

Wieder ein freier Tag unter der Woche der genützt werden musste. Also habe ich beschlossen heute den Stadtwanderweg 1 und 1a zu gehen. Im Grunde bin ich beide schon mindestens einmal gegangen, aber heute hat es richtig viel Spaß gemacht. Ich kannte den Weg und ich konnte einfach so dahingehen. Zudem bin ich noch nie von der Wohnung weggegangen. Insgesamt war ich 4 Stunden und 30 Minuten unterwegs, habe währenddessen 23 km zurückgelegt und fast 650 Höhenmeter, was für Wien gar nicht einmal so schlecht ist.

Auf den Kahlenberg zu gehen ist immer wunderschön. Der Ausblick über die Stadt großartig, aber ein Stückchen weiter am Leopoldsberg ist er noch um einiges schöner. Der Weg ist generell sehr abwechslungsreich, man kommt an sehr vielen Weingärtner und Heurigen vorbei, die zum Glück ab morgen öffnen dürfen. Waldböden, Schotterstraßen und asphaltierte Straßen wechseln sich ab. Die Stadtwanderwege sind alle gut zu gehen, was ich schade finde ist, dass man die Wege nur von einer Seite gehen „kann“. Also die Beschilderung ist nur für eine Richtung ausgerichtet, obwohl beide Seiten möglich sind. Gekennzeichnet sind die Wege mit einem hölzernen Schild mit der Beschriftung „Stadtwanderweg“ und der Nummer. So kann man die Orientierung nicht so leicht verlieren.

Super finde ich auch, dass ich die Beschilderung für den „rundumadum-Weg“ entdeckt habe. Ziemlich unübersichtlich, da muss man schon ziemlich genau schauen. Ein kleiner A5 großer, folierter Zettel mit einer Kilometeranzahl drauf, der an einem Baum befestigt ist. Wird spannend, aber wie ich mich kenne werde ich mir die Route eh sehr gut anschauen, um dann einfach darauf los gehen zu können. 🙂

Das schönste am Gehen ist, dass ich es für mich mache. Ich erwarte nicht, dass man das was ich da mache versteht oder würdigt. Es mach mir Spaß und Freude und ein gesunder Zeitvertreib ist es auch noch.

Ich höre eigentlich die ganze Zeit Musik während dem Gehen, aber ich habe mir gedacht, dass ich das irgendwann einmal weglassen werde, damit ich mich ein bisschen auf meine Gedanken fokusieren kann. Das ich dabei alleine bin, in dieser ganzen Zeit, macht mir gar nichts. Ich mag die Stille und die Ruhe, nur mit mir zu sein. Zudem muss ich mich da nicht an jemanden anpassen, sondern kann mein Tempo nach meinem körperlichen Zustand gestalten. Es gibt niemanden der jammert oder eine Pause machen will, wenn ich noch gehen möchte und vieles mehr. Ich habe mich lange genug immer angepasst und in vielen Bereichen tue ich das immer noch. Selbstverständlich könnte ich auch auf jemanden warten der mit mir diese Dinge erlebt, aber warten ist immer so eine Sache, ich finde eine blöde Ausrede um seinen Weg nicht gehen zu müssen, sich hinter jemanden zu verstecken. Wo bleibt da das Vertrauen und der Mut für seinen eigenen Lebensweg?

Beim Gehen sind mir auch die vielen möglichen anderen Wege und Abzweigungen aufgefallen, also man kann auch hier Vergleiche mit dem Leben ziehen. Es ist immer möglich einen anderen Weg zu wählen und trotzdem kommt man irgendwann, vermutlich auf Umwegen, auf sein ursprüngliches Ziel zurück. Blöd ist nur, wenn man sich zu sehr auf einen Umweg konzentriert und dabei die ganzen anderen Abzweigungen verpasst oder nicht sieht. Ein Umweg kann einem tolle Erlebnisse bescheren, es kann einem aber auch in eine verzwickte Lage bringen. Das ist alles okay, solang man sich nicht aufhalten lässt und stehen bleibt.