Das mit dem regelmäßig Schreiben war dann wohl doch nicht so ganz mein Ding. Mittlerweile bin ich bis auf Stadtwanderweg 6 und 7 alle gegangen, sogar einmal rund um Wien und dabei werde ich es auch belassen. Es war eine schöne Erfahrung. Habe sehr viel über mich, meine Grenzen, mein Leben und vieles andere nachdenken können, habe mich auf eine ganz andere Art und Weise kennengelernt bzw. wurde mir klar wozu man eigentlich fähig ist.
Seit dem ich in der Arbeit Ende Mai mitgeteilt habe, dass ich nach dem Sommer Wien und die Volksoper verlassen werde, ist einiges passiert. Das positivste in dieser Zeit: Ich bin so bereit dafür endlich meine Entscheidung in die Tat umzusetzen. Mir sind großartige Dinge hier in Wien passiert, ich hatte wunderschöne Momente, mit lieben Menschen die mich in den letzten drei Jahren begleitet haben und dennoch bereue ich meine Entscheidung nicht, ich habe keine Zweifel, dass das was vor mir steht genau das Richtige ist. So ohne Zweifel bei einer Entscheidung war ich noch nie in meinem Leben. Ich freue mich auf meine neuen Abenteuer. Es könnte sofort losgehen, aber es ist okay, ich übe mich in Geduld und koste die Zeit aus. Ist auch nicht mehr lange. Wien war und ist ein guter Lehrmeister für mich gewesen. Ich bin durch Krisen gegangen, habe viel Mut in den unterschiedlichsten Situationen beweisen müssen, musste so geduldig wie noch nie in meinem Leben sein, durfte viel lachen und auch weinen, aber am aller wichtigsten ich durfte wachsen, fürs Leben lernen und Erwachsen werden. Dabei bin ich wieder mehr der Mensch geworden, der ich sein möchte. Für andere Menschen wäre das der ideale Ort um sein zu Hause zu finden bzw. sagen zu können, hier bin ich daheim. Doch Wien hat mein Herz nicht berührt, trotz der vielen neuen, tollen Freunde etc. Ich hatte noch nie so schreckliches Heimweh als hier. Das einzugestehen ist gar nicht so einfach, das braucht doch auch Mut, aber ich weiß es ist den Mut wert.
Seit langem sehne ich mich nach Veränderung und habe gehofft, dass eine Person oder ein Ort die Veränderung in mir bewirken wird, aber nein: Ich bin die einzige die das für mich tun kann. Es ist mir klar geworden, Hoffnung ist keine Strategie. Man kann nicht ewig so weiter machen wie bisher nur weil man Angst vor Entscheidungen hat, Angst vor der Zukunft, Angst sein wahres Ich zu zeigen, Angst nicht gemocht zu werden, Angst zu versagen. Angst, Angst, Angst. NEIN!! Oft muss man springen, die Ketten zerschlagen, laut Schreien, auf den Boden stampfen. Diesmal ohne vor etwas wegzurennen. Ganz etwas Neues. Ich habe die Entscheidung auch nicht für jemanden anderen getroffen, sondern nur für mich. Klar es warten zu Hause meine allerliebsten Menschen, aber ich weiß, dass sie mich nie zu dieser Entscheidung gezwungen hätten und das sie auch noch auf mich gewartet hätten, wenn ich noch nicht so weit gewesen wäre und das erfüllt mich mit so viel Freude und Dankbarkeit. Ich fühle mich so geliebt.
Ich freue mich auf kühle Herbstabende mit Maroni, einer guten Jause, Tee, Gelächter, auf Kekse backen mit Freunden, auf Spieleabende, Grillereien, ein kaltes Bier genießen und den Blick schweifen lassen, herumalbern mit meinem Neffen, neues Lernen, Wander- und Radtouren etc. und das alles ohne daran denken zu müssen, dass ich in wenigen Stunden wieder in den Zug steigen muss, ganz ohne Stress. Ich freue mich aber auch auf Herausforderungen und darauf, dass ich weiß, dass ich sie nicht alleine bewältigen muss, sondern die wichtigsten Menschen ganz nah sind.
Ich bin bereit, weil ich weiß, dass jede Veränderung am Anfang hart ist, chaotisch sein kann, aber wenn man auf sich vertraut kann es wunderschön sein!