Stadtwanderweg 3

Dieser Stadtwanderweg beginnt bei der Straßenbahn Endstation in Neuwaldegg. Nur wenige Meter von der Hauptstraße entfernt, steht man plötzlich vor riesengroßen, malerisch schönen Villen und anderen grandiosen Gebäude. Das ist kaum mit den Sinnen zu fassen. So als wäre man über eine imaginäre Grenze gegangen und wäre im Wien des 18. Jahrhunderts gelandet und dieser Eindruck bleibt aufrecht, wenn man den großen Schwarzenbergpark betritt. Ein sehr unscheinbarer Eingang, aber dahinter versteckt sich eine ewig wirkende Allee. Man kann sich direkt vorstellen wie die Fürsten, Marschalle, Kaiser und andere Adelige mit Ihren pompösen Kostümen und Kutschen sich im Park auf einen netten Ausflug treffen.

Nach einer Weile biegt man rechts auf einen kleinen Weg ab und folgt diesen zum Teil asphaltierten Weg, welcher sich schlängelnd durch den schönen Wald bewegt bis hinauf zum höchsten Punkt, den man Hameau nennt. Ich persönlich kann mit diesem Begriff nichts anfangen, bin mir auch immer unsicher, ob ich es überhaupt richtig ausspreche. Meine Recherche ergab, dass es sich hierbei um ein französisches Wort handelt das so viel bedeutet wie kleines Dörfchen. Was auch auf diesen Ort zutreffend ist, denn dort findet man 17 kleine Häuschen die Feldmarschall Lacy (erster Inhaber des Parks) für seine Gäste bauen hat lassen. Leider tummelten sich dort sehr viele Menschen, deshalb habe ich mir diesen Bereich nicht so genau angeschaut. Deshalb ging es für mich sofort um die Kurve, um den Waldweg nach unten zu Folgen. Wie schön wandern und gehen sein kann. Ein Traum! 😀 Eine gute Idee gewesen.

Abschied nehmen

Das mit dem regelmäßig Schreiben war dann wohl doch nicht so ganz mein Ding. Mittlerweile bin ich bis auf Stadtwanderweg 6 und 7 alle gegangen, sogar einmal rund um Wien und dabei werde ich es auch belassen. Es war eine schöne Erfahrung. Habe sehr viel über mich, meine Grenzen, mein Leben und vieles andere nachdenken können, habe mich auf eine ganz andere Art und Weise kennengelernt bzw. wurde mir klar wozu man eigentlich fähig ist.

Seit dem ich in der Arbeit Ende Mai mitgeteilt habe, dass ich nach dem Sommer Wien und die Volksoper verlassen werde, ist einiges passiert. Das positivste in dieser Zeit: Ich bin so bereit dafür endlich meine Entscheidung in die Tat umzusetzen. Mir sind großartige Dinge hier in Wien passiert, ich hatte wunderschöne Momente, mit lieben Menschen die mich in den letzten drei Jahren begleitet haben und dennoch bereue ich meine Entscheidung nicht, ich habe keine Zweifel, dass das was vor mir steht genau das Richtige ist. So ohne Zweifel bei einer Entscheidung war ich noch nie in meinem Leben. Ich freue mich auf meine neuen Abenteuer. Es könnte sofort losgehen, aber es ist okay, ich übe mich in Geduld und koste die Zeit aus. Ist auch nicht mehr lange. Wien war und ist ein guter Lehrmeister für mich gewesen. Ich bin durch Krisen gegangen, habe viel Mut in den unterschiedlichsten Situationen beweisen müssen, musste so geduldig wie noch nie in meinem Leben sein, durfte viel lachen und auch weinen, aber am aller wichtigsten ich durfte wachsen, fürs Leben lernen und Erwachsen werden. Dabei bin ich wieder mehr der Mensch geworden, der ich sein möchte. Für andere Menschen wäre das der ideale Ort um sein zu Hause zu finden bzw. sagen zu können, hier bin ich daheim. Doch Wien hat mein Herz nicht berührt, trotz der vielen neuen, tollen Freunde etc. Ich hatte noch nie so schreckliches Heimweh als hier. Das einzugestehen ist gar nicht so einfach, das braucht doch auch Mut, aber ich weiß es ist den Mut wert.

Seit langem sehne ich mich nach Veränderung und habe gehofft, dass eine Person oder ein Ort die Veränderung in mir bewirken wird, aber nein: Ich bin die einzige die das für mich tun kann. Es ist mir klar geworden, Hoffnung ist keine Strategie. Man kann nicht ewig so weiter machen wie bisher nur weil man Angst vor Entscheidungen hat, Angst vor der Zukunft, Angst sein wahres Ich zu zeigen, Angst nicht gemocht zu werden, Angst zu versagen. Angst, Angst, Angst. NEIN!! Oft muss man springen, die Ketten zerschlagen, laut Schreien, auf den Boden stampfen. Diesmal ohne vor etwas wegzurennen. Ganz etwas Neues. Ich habe die Entscheidung auch nicht für jemanden anderen getroffen, sondern nur für mich. Klar es warten zu Hause meine allerliebsten Menschen, aber ich weiß, dass sie mich nie zu dieser Entscheidung gezwungen hätten und das sie auch noch auf mich gewartet hätten, wenn ich noch nicht so weit gewesen wäre und das erfüllt mich mit so viel Freude und Dankbarkeit. Ich fühle mich so geliebt.

Ich freue mich auf kühle Herbstabende mit Maroni, einer guten Jause, Tee, Gelächter, auf Kekse backen mit Freunden, auf Spieleabende, Grillereien, ein kaltes Bier genießen und den Blick schweifen lassen, herumalbern mit meinem Neffen, neues Lernen, Wander- und Radtouren etc. und das alles ohne daran denken zu müssen, dass ich in wenigen Stunden wieder in den Zug steigen muss, ganz ohne Stress. Ich freue mich aber auch auf Herausforderungen und darauf, dass ich weiß, dass ich sie nicht alleine bewältigen muss, sondern die wichtigsten Menschen ganz nah sind.

Ich bin bereit, weil ich weiß, dass jede Veränderung am Anfang hart ist, chaotisch sein kann, aber wenn man auf sich vertraut kann es wunderschön sein!

Stadtwanderweg 4 und 4a

Ein sonniger, angenehmer Freitag. Auf Grund der Kurzarbeit ein freier Tag für mich. Etwas ganz neues, dass ich nicht gewohnt bin und sich seltsam anfühlt und irgendwie extrem befreiend und gut zugleich ist. Dieser Tag muss genutzt werden. Also packe ich eine Jacke, einen Apfel und mein Wasser in den kleinen Tagesrucksack. Schnapp mir meinen MP3-Player, das Handy und die Hausschlüssel und mache mich auf den Weg Richtung Stadtwanderweg 4 und 4a. Ich beginne meinen Wandertag von zu Hause aus. Circa zehn Minuten später bin ich schon auf der lebendigen Ottakringer Straße, der ich bis zu meinem Einstieg, welche mich zum Stadtwanderweg 4a bringt, folge. Vorbei an vielen kleinen Geschäften mit frischem Obst, weiter zur Ottakringer-Brauerei bis zum bekannten Heurigen 10er Marie geht es ganz zum Rand des 16. Bezirks in den Wienerwald. Auf meinem Weg komme ich an einem wunderschönen Heurigen vorbei, den ich unbedingt noch aufsuchen möchte um mir einen schönen Abend mit ein paar Freunden machen kann, ein paar Gläschen Wein trinken, den Blick über Wien schweifen lassen und sehen wie gut es einem geht.

Im Wald ist es ruhig, idyllisch, freundlich. Die Sonne versucht sich durch die Blätter der Bäume auf den Boden durchzukämpfen, irgendwie hoffnungsvoll und niemals aufgebend. Meine Gedanken schweifen ab. Musste einfach an das erste Mal in diesem Wald denken, an den Tag, den Ausflug, an die Situation und meine Begleitung. Dort wuchs in mir zum ersten Mal das Gefühl, dass ich Wien doch eine Chance geben sollte und mich nicht davor verschließen sollte. Mit diesen Gedanken, ein dankbares Lächeln auf den Lippen gehe ich einfach weiter und komme an der schon bekannten Kreuzeichenwiese raus. Ein paar Leute die im freien Boxen und Fitnessübungen machen oder andere die gemütlich in der Sonne liegen und diese genießen und andere wiederum öffnen ihr erstes Bier um den schönen Tag zu feiern. Hier kreuzen sich der Stadtwanderweg 4a mit dem Stadtwanderweg 4, also entscheide ich mich dem vierer Weg zu folgen und komme an der Jubliäumswarte vorbei, diesmal ohne die Stufen rauf zu gehen und den Überblick zu genießen, da ich es eh schon kenne und ich den noch nicht bekannten Weg lieber weiter folgen möchte. Auf jeden Fall kann ich aber jeden die Jubliäumswarte ans Herz legen. Tolle Aussichtsplattform, vor allem für alljene ein Higlight die schwindelfrei sind und es so sehr lieben wie ich, eine Stadt von oben zu sehen. 🙂

Der restliche Weg führt über Asphaltwege vorbei am großen Otto-Wagner-Spital. Stimmt, das war nicht der richtige Weg. Irgendwann bin ich falsch abgezweigt und hab den Stadtwanderweg für eine Weile nicht mehr gefunden, also bin ich halt anders gegangen. Nicht schlimm, so bin ich wenigstens am Ottakringer Schwimmbad vorbeigekommen und an schönen ruhigen Gegenden im 14. Bezirk. Aber in mir flüstert eine Stimme, die sagt: „Irgendwann gehst du das noch ‚richtig'“ :D. Am Ende ging es wieder zurück auf die Ottakringer Straße, die mich auf den ursprünglichen Weg wieder nach Hause brachte. In den vier Stunden habe ich 19,70 km zurückgelegt. Eine schöne Wanderung, mit viel Abwechslung. Immer einen Ausflug wert. 😀