Rückblick 2020 (etwas verspätet)

2020 ein Jahr das man nicht so schnell vergisst. Was ist passiert? Was ist neu? Was hat sich verändert? Etc.

Das Jahr hat sehr stressig begonnen, zumindest in meiner Freizeit. In der Arbeit war ich von Langeweile belastet. Acht Stunden nichts. Nur blöd sitzen und auf 16 Uhr warten. Tag ein Tag aus. Zum Haare raufen. Doch meine Freizeit war anders. Sobald es 16 Uhr geschlagen, huschte ich in die Jänner-Dunkelheit von einem Termin zum anderen. Kickboxen, einkaufen, Revisiondienst, Freunde treffen, Förderkreis-Events und viele weitere abendliche Verpflichtungen warteten auf mich. Ein Heimkommen vor 22 Uhr war in dieser Zeit keine Option. Einerseits war es schön. Endlich habe ich mich gebraucht gefühlt und lebendig. Andererseits hatte ich Angst davor, dass es mich mit dem Freizeitstress irgendwann richtig auf die Schnauze haut und man mich nur noch bewusstlos irgendwo in der Gosse auffinden würde. Mein Terminkalender war voll und nicht nur für ein paar Wochen, sondern bis Ende Juni wusste ich so gut wie jeden Abend und vor allem jedes Wochenende was auf mich zukommen wird. Der Freizeitstress war definitiv der Ausgleich zu meinem fadisierenden Arbeitsalltag. Ich wollte weg, so schnell wie möglich rennen und nie wieder kommen. Fühlte mich zum Einen extrem unterfordert und zum Anderen überfordert. Ruhe konnte ich mir nicht gönnen, denn der Stress war mein Lebenselixier wie die Luft zum Atmen.

Dann im März 2020, genau vor einem Jahr, hieß es wir befinden uns in einer Pandemie und der erste Lockdown steht bevor. Was das bedeutete? Meine ganzen Pläne, mein ganzer Stress, mein Lebensinhalt, war von heute auf morgen weg. Es hieß nur noch im Homeoffice sitzen, für die notwendigesten Dinge durfte man das Haus verlassen, keine Kontakte mehr zu anderen Personen, keine Veranstaltungen, kein Kickboxen..nichts. Panik wurde in mir ausgelöst. Wie sollte das funktionieren. Die ersten Tage waren geprägt von Chaos in meinem Kopf. Ich wollte nur schreien, weinen und noch weiter weglaufen. Alles keine sonderlich guten Optionen, nach Tagen der Verzweiflung wurde mir das auch klar. Also es blieb mir nichts anderes übrig als mich an diese neue Art von Alltag anzupassen. Kickboxen via Zoom, Freunde treffen via Skype, Meditationen, Tagebuch schreiben, Arbeiten von zu Hause aus und davor noch eine kleine Runde in der Natur drehen.

Es fühlt sich an wie zwei unterschiedliche Leben, die kaum vergleichbar sind. Beide hatten und haben ihre Vor- und Nachteile. Diese Pandemie hat mich endlich erkennen lassen, was ich zum Glücklichsein brauche und wonach ich im Leben streben möchte. Davor war dies nur teilweise erkenntlich oder es wurde durch eine undurchdringliche Mauer von mir versteckt. Feststeht, dass es gar nicht so viel ist. Meine Familie, meine Freunde, Natur und Sport sind die vier wichtigsten Dinge für mein Glück. Alles weitere sind wunderbare Zugaben.

Trotz vieler Einschränkungen und wenig Möglichkeiten große Reisen zu machen, habe ich 2020 sehr viel erlebt und gesehen. Meine letzten Monate/Wochen in Wien habe ich Dinge erlebt, die ich anders sicherlich niemals gemacht hätte. Aufgrund von Kurzarbeit bin ich um ganz Wien gegangen. Es waren wunderschöne Plätze dabei, interessante Momente und vor allem war es für miche eine besondere Möglichkeit mich von dieser Stadt zu verabschieden. Im Sommer war ich hauptsächlich in Osttirol, meine neue, alte Heimat. Ich war auf Bergen die ich nicht einmal kannte und habe Orte gesehen, die so viel Ruhe, Besonnenheit und Schönheit ausstrahlen. Es waren diese Momente die mich erkennen ließen, dass ich gefunden habe, nachdem ich so lange gesucht habe.

Nach einem Jahr Pandemie ist immer noch kein wirkliches Ende in Sicht. Wir bewegen uns immer noch auf Messers Schneide und der nächste Lockdown könnte jeder Zeit verkündet werden. Der Alltag wird von vielen Regeln bestimmt. Einige die wenig Sinn machen, andere die sehr viel Sinn machen und dennoch ist der Kopf so voll mit Bestimmungen, dass man es einfach nicht mehr ertragen kann. Es ist anstrengend so viel darüber zu hören und sich so viele Gedanken zu machen darüber was man darf und was nicht. Ein normales, geregeltes Leben ist kaum denkbar. Nicht alles ist schlecht daran und vieles möchte ich auch nicht mehr so wie vor der Pandemie machen oder haben, dennoch wünscht man sich so Kleinigkeiten wie, endlich einmal ein Gespräch in dem es nicht um Corona geht, irgendwohin fahren zu können (muss gar nicht weit weg sein), ohne sich Sorgen zu machen, dass man eh alles richtig macht, sich mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen und den herannahenden Frühling zu spüren. Aber die Hoffnung stirbt zu letzt!!!